„Godly Play“ – Kurs in Madrid

„Godly Play“ – Kurs in Madrid

Vom 1. Bis zum 3. Dezember 2025 fand die Fortbildung “Godly Play” der Region RELEM am Bildungscampus der Universität De La Salle in Madrid statt. András Vető und Rainer Rossi nahmen daran teil und vertraten die Provinz Zentraleuropa. Hier ein Erfahrungsbericht der beiden Pädagogen:

 Unsere Beauftragte für lasallianische Erziehungsarbeit, Julia Mayer, vermittelte uns die Möglichkeit, die Unterrichtsmethode „Godly Play“ in Madrid näher kennen zu lernen.

Ahnungslos aber auch neugierig auf eine neue Erfahrung, machten wir uns auf den Weg zum Flughafen und landeten drei Stunden später in der spanischen Hauptstadt.

Als wir im madrilenischen La-Salle-Campus ankamen und unser Haus betraten, spürten wir sofort eine Verbindung zu unserer De-La-Salle-Schule in Strebersdorf, da mehrere Bilder und Statuen an den Ordensgründer erinnerten. Eine bereichernde und tiefsinnige Erfahrung war es, Kollegen und Kolleginnen aus anderen Ländern zu treffen und sich mit ihnen auszutauschen, auch außerhalb der Fortbildungseinheiten, in den Pausen oder während der Mahlzeiten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren aus Rom, Turin (ursprünglich aus Polen), aus dem Libanon, Argentinien, Bolivien, Malta, England und natürlich zwei aus Österreich. Es ist schön mit Vertreterinnen und Vertretern anderer De-La-Salle-Schulen zu reden, obwohl die Kommunikation nicht selbstverständlich war; einer konnte nur spanisch, andere sprachen gebrochenes Englisch – aber wir haben uns alle wunderbar verstanden. Sowohl sprachlich als auch menschlich!

„Godly Play“ – die deutsche Bezeichnung lautet „Gott im Spiel“ – wurde vom amerikanischen Montessori-Pädagogen Jerome Berryman (1937-2024) entwickelt. Die Idee dahinter ist, dass man Kindern nicht erklärt, wer Gott ist, sondern ihnen die Möglichkeit gibt Gott zu entdecken. Dies geschieht durch eine besondere Form der Erzählung: Die Lehrperson sitzt mit Schülern und Schülerinnen in einem eigens dafür geschaffenen Raum am Boden und erzählt ihnen eine Geschichte. Es kann eine biblische Glaubensgeschichte, ein Gleichnis oder eine liturgische Handlung sein. Dabei soll sich die Lehrkraft genau an das für diese bestimmte Erzählung (z. B. die Geschichte der Arche Noah) vorgegebene Skript halten. Die Sätze, die der Erzähler sagt, die Pausen, die er macht und auch die (Hand-)bewegungen müssen vorher gut einstudiert werden, von einem Abweichen dieser Vorgaben wird ausdrücklich abgeraten. Begründet wird dieser recht streng vorgegebene Weg mit Erfahrungswerten: Nach mehreren Anläufen, Proben und Modifikationen habe sich genau dieser Wortlaut samt Bewegungen bewährt.

Wichtig für die Erzählung sind die Materialien: Das können Steine, ein „Wüstensack“ mit Sand, dreidimensionale oder zweidimensionale Figuren aus Holz, Bilder oder andere Dinge sein. Diese Gegenstände werden in die Erzählung integriert, um den Sinn der Geschichte anschaulicher zu machen. Nach dem Ende der Erzählung stellt die Lehrperson Fragen an die Kinder – auch hier ist es wichtig, nur die Fragen zu stellen, die im Skript vorgesehen sind. Diese Phase soll sehr ergebnisoffen verlaufen, wobei der Grundsatz gilt, dass keine Antwort falsch ist. Darum werden die Impulsfragen mit den Worten eingeletet: „Ich frage mich…“ (I wonder…) Den Schülern und Schülerinnen muss genug Zeit gegeben werden auf die Fragen einzugehen – sowohl eine kontemplative Stimmung, als auch viel Geduld seitens der Lehrkraft ist hier gefordert. Auf diese Phase folgt eine aus der Montessori-Pädagogik bekannte Freiarbeit. Nach einem kleinen „Fest“, zu dem ein einfacher Butterkeks und ein Glas Wasser schon reichen, schließt die Stunde mit einem kurzen Segensritual. So wird Godly Play auch in einen liturgischen Kontext gesetzt und sollte an eine Feier in der Kirche erinnern. Insgesamt sollte eine ganze Godly-Play-Session ca 50 Minuten dauern.

Was wir als positiv empfanden, war die Tatsache, dass Godly Play neue Wege aufzeigt, um die Bibel und andere kirchliche Inhalte kennen zu lernen. Wir sind auch zu dem Schluss gekommen, dass auch Erwachsene von Godly Play profiteren können, wenn sie die biblischen Geschichten näher und anders erfahren.

Voraussetzung für das Gelingen einer Godly-Play-Stunde sind allerdings sehr disziplinierte und interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer. In Klassen oder Gruppen, in denen solche ideale Umstände kaum zu Erwarten sind, wird mit Schwierigkeiten bei der Umsetzung zu rechnen sein, vor allem wenn man bedenkt, wie kontemplativ und still es  bei Godly Play zugehen sollte.

Außerdem würden wir uns mehr gestalterische Freiheit bei der Umsetzung wünschen. Es soll doch möglich sein, dass die Erzählerin oder der Erzähler sich nicht im Skript gefangen fühlen muss, indem sie oder er immer und alles ganz präzise nach Vorgaben präsentiert, sondern die Inhalte an die eigene Persönlichkeit und Stundenziel anpasst.

Auch, wo man einen geeigneten Raum finden könnte und wer wann die bereits angeschafften Materialien (auch abteilungsübergreifend!) verwenden dürfte, ist noch unklar.

Unser Fazit ist: einzelne Unterrichtseinheiten in einer für unseren abteilungsübergreifenden  Standort adaptierten Version von Godly Play ist durchaus denkbar. Dass das Programm sich weiter entwickeln kann, kann nur  langsam heranwachsen. Auch die Anschaffung der Materialien und das Einrichten eines geeigneten Raums ist dabei ein zentrales Thema.

Godly Play hat ihre Grenzen – aber birgt auch große Chancen.

Wir freuen uns über Ihre Nachricht

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.